„Musenknutsch“ in der Wagenkolonie
Auszug aus dem Darmstädter Echo vom 19.6.2006
Vorschau: Von 19. bis 26. August laden die Bewohner von Klabauta ein zu Kunst, Musik, Lesung und Workshops
DARMSTADT. “Wir empfinden uns gar nicht als so exotisch”, sagt Kathrin Hilbrig. Mancher Darmstädter sieht das wohl anders, denn sie wohnt in der Wagenkolonie Klabauta nördlich des Martin-Luther-King-Rings. Fußgänger schauen argwöhnisch von der Brücke, Autofahrer werfen scheele Blicke auf das Wagendorf. Auch deshalb hätten sie die Idee zu einer Art Tag der offenen Tür gehabt, erzählt Anja Trieschmann. Nun wird nächsten Monat daraus die Aktionswoche mit dem Titel “Musenknutsch”.
Die Organisatoren versprechen Kunst, Kultur und Kulinarisches. Sie möchten so “die Grenzen zum Austausch durchlässig machen”, erklärt Trieschmann. Für ihre Idee konnten die rund zehn Organisatoren viele Künstler gewinnen. Doch zum Auftakt (19. August) gibt es platzgemachten “Jazzfunkfolkrock”. Es spielen “Feld”, ihnen folgen “Friendly Fire” aus Frankfurt. Am Mittwoch (23.) umrahmen “Fabienne” einen Kneipenabend musikalisch. Keine Musik, dafür eine Lesung gibt es am Donnerstag (24.).
Einige Arbeiten von Künstlern entstehen zum Teil erst in der Woche auf dem Platz. Hier spiegelt sich, was den Organisatoren von Anfang an wichtig war: Man will Kunst als Prozesscharakter erfahren. “Wir wollen nicht nur was zum Schauen, sondern viel Interaktion, um mit denen, die kommen, gemeinsam Schönes zu erleben”, erklärt Hilbrig. Ziel sei nicht die Selbstdarstellung, “das soll kein Streichelzoo sein”, sagt sie.
Auf Kinder warten am Familiensonntag (20.) ab 14 Uhr deshalb viele Aktionen. Erwachsene sollen im Laufe der Woche Raum bekommen, um selbst künstlerische Ausdrucksformen zu finden: In Workshops werden Holzschnittdrucke hergestellt, Masken aus Ton geformt und Bronzen gegossen. Für das geplante Seifenkistenrennen (26.) können sich noch Nachwuchs-Schumis melden. Dieser Samstag klingt als Varieté-Abend aus. Wer es stiller mag, soll in Winkeln zwischen den Bauwagen Schreibmaschinen finden können, die zum spontanen Fabulieren einladen. Ob die Besucher ihr Schriftstück mitnehmen, an einer der Wäscheleinen aufhängen oder auf den Beginn eines schriftlichen Dialogs mit anderen hoffen, bleibt ihnen überlassen.
Einfach nur zu schauen gibt es auch genug: etwa Eigenproduktionen beim Kurzfilmabend am Dienstag (22.). Die Malerin Brigitte Satori-Constantinescu stellt in einem Wagen Porträts aus, die Künstler Hanne Junghans, Peter Thoms und Margot Middelhauve dagegen hatten sich bei der Besichtigung des Ausstellungsgeländes entschieden, nicht nur fertige Arbeiten zu installieren. Sie wollen den Wagenplatz selbst als Kunst inszenieren: Die persönliche Sicht der Künstler fängt mit Bilderrahmen idyllische und bunte Ecken des Geländes ein. Denn “Kunst ist neu sehen lernen”, zitiert Trieschmann jene Künstler. Damit verändern sie vielleicht auch den
Blick des Besuchers auf das Wagendorf.
Die Aktionswoche dauert von 19. bis 26. August. Anmeldungen zu den Workshops unter info@musenknutsch.de. Auskünfte zu Übernachtungsmöglichkeiten unter Telefon 0179 5424340. Das gelbgrüne Faltblatt mit dem Programm liegt in vielen Cafés, in der Hochschule sowie in Museen aus. Informationen und Aktualisierungen zum Programm im Internet: www.musenknutsch.de.
